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STOLPERSTEINE

Steckbrief der Aktion „Stolpersteine“

Was? JUGAs putzen Berliner Stolpersteine und erinnern damit an die Opfer des Holocaust.

Wann? 19. April 2012

Wo? Berlin, rund um den Ku’Damm.

Teilnehmer/innen? Insgesamt 120 JUGAs, JUMAs, Gäste und Interessierte.

Wer noch? Silke Radosh-Hinder, Kreisjugendpfarrerin in Berlin-Stadtmitte, Andreas Statzkowski, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, der Rabbiner Tovia Ben-Chorin, vom Abraham Geiger Kolleg,  Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin,Chalid Durmosch, als Vertreter der Berliner Sehitlik Moschee, Dr. Thomas Floeth, Bahá’í-Gemeinde in Berlin und Helmut Lölhöffel, Koordinator der Stolpersteine Charlottenburg/Wilmersdorf.

Programm?  Begrüßung, Auftaktkundgebung. Einleitende Worte von Silke Radosh-Hinder, Andreas Statzkowski, Stephan Kramer, Tovia Ben-Chorin, Markus Dröge, Chalid Durmosch, Dr. Thomas Floeth und Helmut Lölhöffel (alle siehe oben unter „Wer noch?“). Stolpersteine reinigen. Während geputzt wurde, erzählten die JUGAs Details aus dem Leben der Menschen, derer mit den Gedenksteinen gedacht wird. Abschlusskundgebung mit Gebet, jede Religion im Schutze der anderen.

Fazit: Mit der Aktion und ihrem sehr eindrucksvollen und bewegenden Ende hatten die JUGAs mit ihrem Gedenken an die Opfer des Holocaust, gleichermaßen ein wichtiges Zeichen gegen Gewalt, Hass und Intoleranz in unserer Zeit für für ein friedliches Miteinander gesetzt.

Bericht von Kevin Jessa, evangelischer Christ, Teilnehmer der Aktion:

„Auf dem Weg zur Aktion „Stolpere Nich’ – Erinner’ Dich!“ der JUGA-Initiative bewegten mich viele Fragen. Werde ich pünktlich sein? Sind genug Teilnehmer da? Ist jede Religionsgemeinschaft gut vertreten? Werden auch Vertreter der Presse da sein? Klappt alles so, wie wir es uns vorstellen? Bleibt das Wetter gut? Als ich am Adenauerplatz ankam, war ich erfreut über die vielen Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die bereits anwesend waren. Ich freute mich über das Wiedersehen mit den vielen lieben Menschen von JUGA und besonders über die Anwesenheit vieler mir unbekannter Gesichter. Während eines Gespräches mit ‚meinem’ Bischof wurde mir ein T-Shirt mit dem JUGA-Logo überreicht, damit auch ich als Teil von JUGA erkennbar bin. Schon bald sollte die Aktion beginnen.

Silke Radosh-Hinder, Kreisjugendpfarrerin in Berlin-Stadtmitte, führte in den ersten Teil der Veranstaltung ein. Besonders begrüßte sie unsere Gäste. Ich freute mich, dass Andreas Statzkowski (Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Inneres und Sport), Stephan Kramer (Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland), Chalid Durmosch (Vertretend für den Vorstandvorsitzenden der Berliner Sehitlik Moschee), Markus Dröge (Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz), Dr. Thomas Floeth,Bahá’í-Gemeinde in Berlin und Helmut Lölhöffel (Koordinator der Stolpersteine Charlottenburg/Wilmersdorf) unserer Einladung gefolgt waren.

Alle fanden lobende und anerkennende Worte für die JUGA-Initiative. Zusammenfassen würde ich die Redebeiträge so: Die Begegnung, das Kennenlernen und das gemeinsame Handeln Jugendlicher verschiedenen Glaubens gibt Hoffnung. Die Anerkennung unserer Arbeit machte mich glücklich. Wir scheinen auf dem richtigen Weg zu sein und eine wertvolle Arbeit für unsere Stadt zu leisten.Beeindruckt war ich von der Medienpräsenz an diesem Nachtmittag. Zahlreiche Journalisten und Fotografen verschiedener Medien versammelten sich, um uns um möglichst viele gute Bilder und Statements der Teilnehmenden zu bekommen. Im Nachhinein erfuhr ich, dass nicht nur die lokale Presse da gewessen war. Unsere Aktion wurde auch überregional und international wahrgenommen.

Nach dem ganzen Medienrummel verteilten wir uns in Gruppen in den Straßen rund um den Adenauerplatz. Wir polierten die Stolpersteine bis sie glänzten und erfuhren von den Schicksalen der Opfer; ihrer Deportation und Ermordung durch die Nationalsozialisten. Abschließend entzündeten wir an jeder Stelle eine Kerze im Gedenken. Schon während des Polierens bekamen wir Aufmerksamkeit von den Passanten. Viele schauten interessiert, was wir da auf dem Boden machen und haben vermutlich zum ersten Mal den Stolperstein genauer betrachtet. Eine Gruppe bemerkte beim Weg zurück zum Adenauerplatz, dass eine Person Blumen am Stolperstein niederlegte, eine direkte Reaktion auf unser Tun.

Im Anschluss versammelten wir uns wieder am Adenauerplatz, um gemeinsam für Frieden und ein gutes Miteinander zu beten. Dabei wurde die jeweils betende Religionsgemeinschaft von den anderen Religionsgemeinschaften symbolisch beschützt. Gemeinsam sangen wir auf Initiative von Rabbiner Tovia Ben-Chorin. Vier JUGAs berichteten am Ende der Veranstaltung spontan von ihren Eindrücken. Ich persönlich war noch immer platt vom Erlebten. Das Miteinander und das starke Symbol des Verbeugens vor den Stolpersteinen, damit man sie putzen und zum Glänzen bringen kann, berührten mich sehr. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein und glaube, dass es wiederholenswert ist.“ (Kevin Jessa, evangelischer Christ)

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