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STATEMENTS

Auf dieser Seite findet ihr Meinungen, Kommentare und Statements von Menschen, die den Projekten JUMA und JUGA begegnet sind, die mitmachen, die sich engagieren. Das können Politiker sein, Leute aus dem gesellschaftlichen Leben, und unsere Teilnehmer/innen. Diese Seite bietet Raum für Denkanstöße, Meinungen, Ideen, Gefühle und für einen Moment des Innehaltens.

DIE REVOLUTION DER TOLERANZ
Wenn aus einer Initiative eine Bewegung wird

Deutschland ist, so sagt man, das Land der Dichter und Denker.

So dichteten sich einst einige Verwaltungsbeamte und Politiker eine Verfassung zusammen und dachten dabei ein Schriftwerk zu schaffen, welches die rechtliche Grundordnung unseres Landes regeln kann.
Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt die unumgänglichen Gesetze zur Sicherung der Würde, Meinungsfreiheit und Toleranz (etc.) gegeben.

Mike Delberg

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Unser Statement nach dem Anschlag auf den Rabbiner Daniel Alter in Berlin:
Gewalt im Namen von Religion ist verabscheuungswürdig – genauso verabscheuungswürdig wie der Übergriff gegen einen jüdischen Rabbiner am vergangen Dienstag!
In tiefem Mitgefühl für die Familie, den verletzten Rabbiner und insbesondere dessen Tochter stellen wir uns als Juga und Juma gemeinsam gegen jegliche Formen von Gewalt. Wer im Namen seiner Religion glaubt, Gewalt ausüben zu können, hat nicht nur seine Religion falsch verstanden. Gemeinsam haben wir der Opfer von Oslo gedacht, die Sehetlik-Moschee nach den dortigen Anschlägen unterstützt, im Gedenken an die Opfer von Toulouse erinnert, haben zusammen Stolpersteine geputzt und damit vor dem Vergessen bewahrt und uns gegen Aktionen von pro-Deutschland gestellt.

Wir verurteilen die brutale Tat gegen den Rabbiner, zeigen der Jüdischen Gemeinde ausdrücklich unsere Solidarität und Freundschaft und bekräftigen, dass wir nun erst recht gemeinsam – Muslime, Christen, Juden und Bahai – für ein friedliches Zusammenleben stehen und nichts unversucht lassen, uns dafür einzusetzen.

Betül Ulusoy, Teilnehmerin von JUMA und JUGA zu dem Übergriff auf den Rabbiner
„Ich bekomme einen Anruf. Ein Rabbiner sei von einem Muslim zusammengeschlagen worden, berichtet mir die Stimme und fragt, was man tun könne, wie man sich dagegen positionieren könne. Noch während sie von Details erzählt, bin ich mit meinen Gedanken schon längst in meiner eigenen Welt versunken. Die Stimme am Telefon rückt für mich in immer weitere Ferne, während mich nur allzu schnell meine Gedankenwelt einholt und sich Panik in mir breit macht. Ein Rabbiner. Zusammengeschlagen. Von einem Muslim. Was für ein Scheiß…

Mein Herz rast wie verrückt und meine Kehle schnürt sich zu.

Rückblick:

Unweigerlich steigt in mir die deprimierende Frage auf, ob unsere Bestrebung, Energie und Kraft denn um sonst gewesen ist. Wir arbeiten so oft hart an Aktionen und fühlen uns immer so, als hätten wir einen wichtigen Beitrag geleistet, gute Arbeit getan für Gott und unsere Mitmenschen.

Und dann kommt irgendein dahergelaufener widerwärtiger Typ und macht alles kaputt, was wir mit soviel Mühe versuchen aufzubauen. Hass und Wut steigen in mir auf. Das allerdings darf ich nicht zulassen. Denn es war offensichtlich ebenfalls Hass, der diese Person etwas derartig Unmenschliches machen ließ. Hass und Unwissenheit hingegen müssen bekämpft werden, damit solche Taten nicht mehr geschehen. Zuerst in mir, dann im meinem Umfeld.

Also doch: Wir müssen etwas tun, aktiv werden, an der Gesellschaft arbeiten. Vielleicht war das Wochenende also trotz allem nicht umsonst, versucht sich mein Unterbewusstsein ein wenig Trost zu spenden.

Da ist aber noch etwas anderes in meinem Unterbewusstsein, das sich, gleich nach dem ich die Stimme am Telefon hörte, mit voller Wucht in mir ausbreitete: Ablehnung.

Ich möchte nichts mit jemandem zu tun haben, der eine Untat im Namen meiner Religion begeht. Ich möchte es nicht hören, nicht sehen, nichts damit zu tun haben, mich nicht rechtfertigen, nicht positionieren, nicht damit auseinandersetzen. Zu groß könnte der Schmerz sein. – Ich möchte vergessen.

Rückblick:

Ich erinnere mich noch gut an die Anschläge in Norwegen. Als noch nicht klar war, wer die Anschläge begangen hatte, viele Vermutungen aber dahingehend geäußert wurden, dass es „muslimische“ Terroristen sein könnten, habe ich den Tag damit verbracht zu beten, dass sich diese Vermutungen nicht bewahrheiten. Ich habe 9/11 als Teenager erlebt. Es hat mich geprägt, wenn nicht sogar traumatisiert. Das wollte ich auf keinen Fall ein weiteres Mal erleben. Und so betete ich dafür, dass es eben keine „Muslime“ waren, statt in erster Linie um die Opfer zu trauern. Egoismus ging so vielleicht vor Trauer und Nächstenliebe. Das ist traurig und beschämend.

Auch heute ist es wieder der Egoismus, der in mir das große Bedürfnis auslöst, einfach die Augen zu schließen, meinen Tagesablauf wie gewohnt fortzuführen und die Nachrichten auszublenden. Tagesablauf. Allzu plötzlich wird mir bewusst, was ich heute noch vorhabe. Wie es der Zufall will, treffe ich mich gerade heute mit meiner jüdischen Freundin. Wir wollten uns einen Starbucks-Coffee besorgen und sodann genüsslich an der Spree spazieren gehen, den Spätsommer genießen. Gestern war die Vorstellung an unser bevorstehendes Treffen wundervoll. Nun erfüllt mich der Gedanke daran aber mit Grauen. Werde ich mich dem hübschen Mädchen mit den großen hellbraunen Augen und dem langen Lockenkopf gegenüber anders verhalten als sonst? Kann ich auch ihr gegenüber die heutigen Nachrichten einfach unter den Teppich kehren? Wieder steigen Scham und Wut in mit auf. Wut gegenüber dem Verbrecher, der mich in diese unangenehme Situation gebracht hat, nur weil wir uns angeblich zu der selben Religion bekennen. Scham, weil mir plötzlich bewusst wird, dass man nicht weglaufen kann und darf, wenn das „Opfer“ plötzlich eine Gestalt annimmt. Auf einmal ist der Rabbiner nicht irgendein Unbekannter, sondern könnte genauso meine Freundin sein.

Ich frage mich, was sie wohl von mir erwartet. Um die Frage beantworten zu können, frage ich mich, was ich von ihr in einer solchen Situation erwartet hätte. Mir fallen einige Beispiele ein, in denen die Täter/Opfer-Konstellation genau umgekehrt gewesen ist und ich weiß mit einem Mal ganz genau, was ich mir in solchen Situation eigentlich immer wünsche – auch wenn ich das meinen jüdischen Freunden gegenüber niemals gesagt habe. Ich würde mir wünschen, dass sie aussprechen, was sie denken, dass sie ehrlich mit mir sind, ihre Trauer offen zeigen, sich in aller Deutlichkeit von dem distanzieren, was geschehen ist.

Erstaunt über meine eigenen Wünsche blicke ich ziemlich verdutzt drein. Normalerweise sträuben sich mir die Nackenhaare, wenn jemand von mir verlangt mich für oder gegen etwas zu positionieren, mich zu distanzieren. Dieser Zwang ist für mich unerträglich und gekünstelt. Aber vielleicht ist das auch nur ein menschliches Bedürfnis. Man will es eben noch einmal hören, obwohl man es bereits weiß, seine Freunde ja kennt.

Und während ich noch die die aufgeregte Stimme am Telefon höre, habe ich meinen Egoismus und inneren Schweinehund, der am liebsten schreiend davongerannt wäre, wieder fest im Griff und an ihre Stelle ist mein eiserner Entschluss getreten: Ich werde nicht davonlaufen, nicht schweigen. Stattdessen werde ich meine Freundin heute Abend etwas länger als gewöhnlich in die Arme nehmen und ihr in aller Deutlichkeit sagen: Ich verabscheue die Tat gegenüber dem Rabbiner zutiefst. Ich distanziere mich von dieser Tat und lehne sie mit aller Vehemenz ab. Und ich bin da für dich, wenn du mich brauchst.“

JUGA-Statement zum 10. Jahrestag der Anschläge vom 11. September
„We build a COMMON future“ ist das Motto der JUGA-Initiative. Anlässlich des 10. Jahrestags der Terroranschläge vom 11. September 2001 rücken junge Muslime, Christen, Juden, Bahá’í und viele weitere junge Menschen aus den unterschiedlichsten Religionsgemeinschaften eng zusammen, um deutlich zu machen: Terror lässt sich niemals mit Religion rechtfertigen – wir stehen für ein friedliches Zusammenleben!

Diese Message hat nach dem Terroranschlag von Norwegen am 22. August 2011 zusätzlich an Aktualität und Bedeutung gewonnen.

Hier der übersetzte Introtext unseres eigens für den 9/11-Gedenktag 2011 geschriebenen und produzierten Songs „Sweet Co-Existence“ des walisischen Singer/Songwriters Robert Lee Fardoe:

“Im Schatten der einstürzenden Türme zerbrach die Hoffnung darauf, dass Menschen verschiedener Religionen miteinander leben können. Wir sehen trauernd, wie viel Elend, Leid und Schmerz dieser Tag in die Welt gebracht hat und auch heute noch Opfer fordert. Unsere Familien, unsere Freunde, und unsere Geschichte waren und sind betroffen von 9/11. Zehn Jahre sind nun vergangen. Wir waren Kinder, als die Türme stürzten. Wir erinnern uns an die geschockten, traurigen und blassen Gesichter unserer Eltern! Heute sind wir JUGA: Junge, gläubige und aktive Menschen mit Träumen und Visionen für eine gemeinsame Welt! Mit der Vision, dass ein friedliches Zusammenleben möglich ist. Clash of Civilizations? Nicht mit uns! Obwohl wir uns in Kultur, Sprache und Religion unterscheiden, so sind wir am Ende doch alle Menschen, die aus einer Familie stammen. Der Familie der Akzeptanz, des Respekts und des Friedens. Keine Religion rechtfertigt Gewalt und Terror. Religionen stehen für Shalom, für Salam, für Frieden und Respekt. Für unsere Zukunft sehen wir JUGAs eine Sweet Co-Existence, ein friedliches Zusammenleben, wir sehen Liebe und nie mehr 9/11. Wir wollen eine bessere Zukunft! We build a common future!” (Songtext by Robert Lee Fardoe)

Das Video, in dem viele JUGAs mitmachen, gibt es auf Youtube.

Statements der JUGAs zu 9/11
„9/11 hat mir zum einen verdeutlicht, wie schnell sich Vorurteile in unserer heutigen Welt etablieren können und darüber hinaus auch, wie stark wir von den Medien beeinflusst werden. Wie wir Menschen nun mal sind, haben wir eine Erklärung für eine derartige Tragödie gebraucht. Die Menschheit hat nach einem Grund gesucht und diesen in der Religion gefunden. Seitdem ist Religiosität, vor allem der Islam, verstärkt negativ vorbelastet – und genau gegen dieses Phänomen möchte ich kämpfen. Darum setzte ich mich dafür ein, dass keine Religion der Welt als Ursache für Hass und Terror gesehen wird! Denn Religion bedeutet für mich einen Glauben zu haben mit dem man Veränderung, Zusammenhalt, Respekt und letztendlich Frieden schaffen kann“. Dalia Grinfeld, Jüdin

„Mir ist klar geworden, wie grausam Menschen zueinander sein können, obwohl sie doch alle Menschen sind und vom selben Stamm abstammen. Darum ist es wichtig, dass Menschen in Zukunft mehr miteinander reden, mehr Offenheit zeigen und über ihren eigenen Tellerrand gucken.“ Nura Detweiler, Bahá’í

„Wir wissen zu wenig voneinander und meist ist das, was anders ist, fremd und wird assoziiert mit etwas Negativem. Es ist wichtig, sich mit anderen Kulturen und Religionen zu vermischen, deshalb ist es wichtig, sich nicht zu isolieren, sondern Kontakt zu anderen aufzunehmen und ins Gespräch zu kommen.“ Amina Hamed, Muslima

„9/11. Ein Tag, an dem die Zwillingstürme des World Trade Centers einstürzten. Ein Tag, an dem auch das Vertrauen gegenüber muslimischen Mitbürgern tief einstürzte. Heute, 10 Jahre danach, ist Islam und Terror oft noch im selben Atemzug zu hören. Das zeugt von Unwissenheit, gefolgt von Vorurteilen, an dessen Spitze sich die Intoleranz setzt. Aber wir Muslime dürfen uns nicht zurückziehen. Wir müssen den Islam in seinem wahren Wesen praktizieren und vorleben. Wir müssen darüber öffentlich sprechen, sodass die Menschen sagen: „Das ist der richtige Islam“. Die Religionen sollen einander kennen lernen und nicht Waffen, sondern Verständigungsmittel werden. JUGA steht für diesen Dialog auf dem Weg zu einem friedlichen Zusammenleben.“ Faten EL-Dabbas, Muslima

„9/11 war der Tag an dem die Erde für einen kurzen Moment den Atem anhielt und auf New York City schaute. Der Anblick der Flugzeuge, die in die Türme rasten und auch deren Fall waren in einer Weise surreal, die tiefste Ängste in uns weckte. Der Tag hat nicht nur die Skyline New Yorks verändert und viele Menschenopfer gekostet, darüber hinaus hat er das Ansehen von Religionen vergiftet, sodass sich einige rechtfertigen müssen, dass sie an der Liebe zu Gott festhalten. Deswegen engagiere ich mich im Projekt JUGA, weil wir hier zeigen können, dass Religionen nicht reaktionär sind und auf keinster Weise Gewalt billigen.“ Jassir Chibli, Muslim